Dec 042012
 

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Motivation

Der Kyocera SB-4e ist ein TCP/IP Printserver für Kyocera Drucker, z.B. unseren FS-1700+. Wenn man ihn gebraucht gekauft hat, sind diese Daten oft schon so konfiguriert, dass man an den Printserver nicht herankommt, und ihn nicht administrieren / diese Daten ändern kann.

Aus dem Controlpanel des Druckers (Tastenbedienfeld) habe ich keine direkte Möglichkeit gefunden, diese Daten neu einzustellen.

Aber zum Glück gibt es ja dafür das Raspberry Pi!

Idee

  • Raspberry Pi wird über LAN an den Drucker angeschlossen. (Dafür kann man auch ein normales Patch-Kabel nehmen, da das Raspberry Pi die Pins automatisch umschalten kann = auto-MDI).
  • Über WiFi wird das Pi an das lokale Netzwerk angebunden
  • Über NGINX im reverse proxy Modus ermöglicht man den Zugriff auf das Web Control Panel des Printers

Dass es funktioniert zeigt der obere Screenshot (man beachte die IP Adressen!).

pi3g-raspberry-pi-helping-kyocera-printserver

Im Screenshot zu sehen: Kyocera FS-1700+ von hinten mit Printserver-Einheit SB-4e (oder auch bekannt als IC59-ETHER-KYO2 – hergestellt von der Firma SEH.), Raspberry Pi, TP-LINK W-LAN Adapter mit Booster-Antenne, und unser spezielles Flachkabel – mit dem man LAN im häuslichen Bereich unauffälliger verlegen kann.

Alle Produkte (bis auf den Drucker und den darin verbauten Printserver) werden demnächst bei uns im Shop erhältlich sein. Alle sind natürlich, wie alle Produkte im Shop, 100 % mit dem Raspberry Pi kompatibel.

Anleitung

(Bemerkung: man kann den Printserver SB-4e einfach resetten, siehe weiter unten im Text – er geht dann in den DHCP Modus. Aber natürlich bringt man sich damit um ein wenig Bastelspaß mit dem Pi!)

Das Raspberry Pi muss sowohl in das bereits bestehende Funknetzwerk angebunden werden, als auch über den LAN Port mit dem Printserver kommunizieren. Dazu müssen (bei WPA Verschlüsselung) die Dateien wie folgt angelegt sein:

/etc/network/interfaces

auto lo

iface lo inet loopback
#iface eth0 inet dhcp
iface eth0 inet static
        address 192.168.192.124
        netmask 255.255.255.192
        gateway 192.168.192.065

allow-hotplug wlan0
#iface wlan0 inet manual
iface wlan0 inet dhcp
wpa-conf /etc/wpa.conf

#wpa-roam /etc/wpa_supplicant/wpa_supplicant.conf
iface default inet dhcp

Erläuterung:

  • Das eth0 (der LAN Port) wird statisch so konfiguriert, dass es zu den Druckerdaten passt
  • Diese Drucker(printserver)daten kann man sich ausgeben lassen, indem man bei eingeschaltetem Drucker kurz auf den Statusknopf drückt.
  • Die Adresse muss dabei verändert werden (z.b. -1)
  • Die Netmask bleibt gleich, wie die des Printservers
  • Gateway kann auch gleich bleiben
  • Das Funknetzwerk wird aus der neu anzulegenden Datei /etc/wpa.conf heraus eingestellt

/etc/wpa.conf

network={
        ssid=”Netz_SSID”
        key_mgmt=WPA-PSK
        psk=”Ihr_schluessel”
}

Hier müssen Sie die Netz_SSID durch Ihren Netzwerknamen, die SSID, in Anführungszeichen ersetzen. Und bei psk Ihren Netzwerkschlüssel, ebenfalls in Anführungszeichen, eintragen.

Nach einem Netzwerk / Raspberry Pi Neustart sollte jetzt die Verbindung mit dem Drucker möglich sein, bspw. kann man ihn anpingen

ping 192.168.192.125

Man kann auch, wenn man das Paket Lynx installiert (aptitude install lynx als root) direkt die IP des Druckers als Adresse unter der Konsole ansurfen. Mit dem Raspberry Pi ist über den HDMI Ausgang selbstverständlich auch das “grafische” Nutzen eines normalen Webbrowsers (Midori) möglich.

Doch was tun, wenn der Monitor woanders steht? X-11 forwarding, ODER: reverse proxying des Webservers des Printservers. Enter NGINX:

NGINX

NGINX ist eigentlich eine gute Alternative zu Apache, vor allem wenn es um Performance und geringen Ressourcenverbrauch geht – es lohnt sich sich damit vertraut zu machen. Neben einem reinen Webserver kann NGINX jedoch auch deutlich mehr. Wir nutzen das Reverse Proxying Feature, das einem Webbrowser “vorgaukelt”, dass er direkt mit der Endmaschine verbunden ist, aber eigentlich die Daten selbst wiederum von dieser Maschine holt und sie dann an den Webbrowser weiterleitet. Dieses Reverse Proxying ist eine sehr interessante Technologie für Load Balancing, Web Acceleration, u.v.m, wir haben uns schon intensiv damit auseinandergesetzt, und es werden bestimmt weitere Artikel in diese Richtung folgen.

Doch zurück zu unserer Konfiguration. Installation von nginx mittels:

aptitude install nginx

Es müssen nun zwei Dateien angelegt werden:

/etc/nginx/conf.d/proxy.conf

proxy_set_header Host $host;
proxy_set_header X-Real-IP $remote_addr;
proxy_set_header X-Forwarded-For $proxy_add_x_forwarded_for;
proxy_max_temp_file_size 0;

proxy_connect_timeout 90;
proxy_send_timeout 90;
proxy_read_timeout 90;

proxy_buffer_size 4k;
proxy_buffers 4 32k;
proxy_busy_buffers_size 64k;
proxy_temp_file_write_size 64k;

/etc/nginx/sites-enabled/raspberry.pi.conf

server {
listen   80 default;
server_name  raspberry.pi;

access_log  /var/log/nginx/raspberry.pi.access.log;

location / {
proxy_pass http://192.168.192.125/;
proxy_redirect default;
sub_filter      http://192.168.192.125/http://192.168.1.151/’;
sub_filter_once off;
}
}

In der zweiten Datei passiert die Magie. Die Direktive proxy_pass sagt, dass alle Zugriffe für die Location / und Unterverzeichnisse / Dateien an den Server der unter http://192.168.192.125 erreichbar ist, weitergeleitet werden sollen, um das Resultat dann wieder zurückzuschicken.

sub_filter dient hier dazu, das Webinterface des Printservers umzuschreiben: Leider wurde hier mit vollen URLs mit fest verdrahteten IPs im Link gearbeitet, so dass Klicks im Webinterface zu “Server nicht erreichbar”-Fehlern führen.

Es ist klar, warum – diese Adresse kann nur das Raspberry Pi erreichen, und es ist dem “normalen” Netzwerk nicht bekannt, dass das Pi eine Route zu dieser Adresse kennt. Der Printserver geht aber davon aus, dass er ganz normal mit dieser Adresse angesprochen werden kann …

sub_filter kann beliebige Textsnippets suchen und ersetzen. Die zweite Direktive, sub_filter_once off, dient dazu ALLE Vorkommen dieses Textsnippets in der ausgelieferten Seite (technisch: dem Response Body) zu ersetzen.

Mittels netstat -tulpn kann man jetzt verifizieren, dass NGINX läuft und auf dem Port 80 gebunden hat:

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Durch Zugriff auf die IP des Raspberry Pi sollte jetzt automatisch der Zugriff auf den Printserver (im reverse proxying Verfahren) möglich sein.

 

Passwort des Druckers neu setzen (Reset des Druckservers SB-4e)

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Nötig, falls auf dem Druckserver ein Passwort vergeben wurde.

Auf der Seite 194 des folgenden Manuals wird der Prozess beschrieben

Im Photo ist der schwarze Status-Knopf mit einer weißen Pfeilspitze markiert:

pi3g-closeup-printserver

Diese Vorgehensweise hat bei mir funktioniert:

  • Drucker ausschalten
  • Netzwerkkabel aus dem Drucker ausstecken
  • Status Knopf (einziger Knopf am Druckserver) drücken
  • Drucker einschalten, auf Lämpchen am Printserver achten
  • Ativity und Status LED Lämpchen blinken gleichzeitig -> Knopf loslassen (nach 5 x Blinken kommt man sonst in den “BIOS” Modus)
  • ca. 2 sec warten, die LEDs blinken abwechselnd
  • Knopf nochmal drücken und halten, bis nur noch die Activity LED blinkt.
  • Knopf loslassen
  • Drucker ausschalten
  • Drucker einschalten
  • Status Knopf kurz drücken um ein Printout der Einstellungen zu kriegen -> Druckserver FS-4e sollte jetzt resetted sein.

Nach dem Reset geht der Printserver übrigens vollautomatisch in den DHCP Modus.

ansonsten hilft:

Kyocera Hotline (0180 / 5 177 377; Mo-Fr 8:30 – 18:00; 0,12 cent/Min.).

Für abgelaufene Garantie hat Kyocera die kostenpflichtige Nummer 09001 5962372 (0,99 Ct / min)

Quelle: narkive.com, Detlef Meinke (danke!)

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